AfghanCash-Newsletter vom 2. Januar 2001

 

 

Liebe Freunde von AfghanCash,

 

vor etwas mehr als 2 Wochen bin ich von meiner ersten Reise nach Afghanistan zurückgekommen. Abgesehen von irgend einem afghanischen Virus bin ich gesund und voll motiviert für die nächsten Schritte.

 

In diesem Newsletter möchte ich kurz die relevanten Fakten der Reise bezüglich unseres Projektes zusammenfassen:

 

A) Bankensystem

 

Es ergab sich die Möglichkeit zu Gesprächen mit dem Finanzminister, der Aussenminister und allen Direktoren und Deputy Presidents der National- und Zentralbank.

Mehrheitlich wurde unser Projekt mit grossem Interesse aufgenommen. Nach diesen Gesprächen können wir mit der Unterstützung der Regierung rechnen. Es wurde mir sogar fast schon aufgedrängt, eine Privatbank zu gründen.

 

Bezüglich den Transaktionen von Exilafghanen nach Afghanistan gibt es das grosse Problem, dass es aufgrund des Sanktionstextes der UNO nicht erlaubt ist, auf Konten der Central Bank of Afghanistan Geld zu überweisen. Da in Afghanistan aber keine andere Bank besteht, verhindern die Sanktionen sämtliche finanziellen Transaktionen nach Afghanistan.

 

Es wurde mir mehrfach bestätigt, dass gerade die ärmsten Afghanen von der finanziellen Unterstützung ihrer Verwandten im Ausland abhängig sind.

 

Nächste Schritte:

 

- Am 15. Januar werden wir zusammen mit Paul Bucherer in Bubendorf eine Pressekonferenz organisieren. Im Moment werden dafür die Unterlagen vorbereitet. Über unsere Homepage kann man jederzeit die neuste Version abrufen.

 

- Auf der diplomatischen Ebene wollen wir uns dafür einsetzen, dass die Schweiz die neuen Sanktionen gegen Afghanistan nicht unterzeichnet. Es fanden diesbezüglich bereits erste Gespräche in der Schweizer Botschaft in Islamabad statt.

 

- Die Aufarbeitung der Fakten und Reiseeindrücke wird noch bis ende Januar dauern.

 

- Nach wie vor müssen wir viel Zeit für die Sicherstellung der Finanzierung unseres Projektes einsetzen. Eine grosszügige Spende von 1000.- und mehrere Gönnerbeiträge sind bereits bei uns eingetroffen.

 

 

B) Afghanische Wirtschaft

 

Die afghanische Wirtschaft kämpft mit strukturellen und finanziellen Problemen. Ohne die Aussicht auf langfristige Stabilität wird es nicht möglich sein, die gewaltigen Investitionen für Infrastruktur und Industrie aufzubringen.

 

 

Eindruck der ersten Reise

 

Afghanistan ist ein wunderschönes Land. Leider aber sind die Aussichten auf einen Frieden aber sehr schlecht. Die einseitigen Sanktionen gegen die Taliban führen zu einer massiven Aufrüstung von Kommandant Massud und seiner Nordallianz. Die Taliban untereinander verfolgen keinen einheitlichen Kurs. Der Einfluss pakistanischer und saudischer Kräfte in der Talibanbewegung ist deutlich spürbar.

Das Leid dieser hoffnungslosen Situation aber lastet auf der armen Bevölkerung Afghanistans, die sich einfach nur Frieden wünscht. Das Problem Afghanistan kann man nicht von aussen lösen.

Persönlich bin ich sehr bereichert durch die Reise. Es war für mich unheimlich spannend eine neue Kultur, die Wirkungen einer Diktatur, die Situation der Frauen und die Folgen der schweren Dürre erfahren zu dürfen.

 

Ich wünsche Euch allen im neuen Jahr das Glück, gesund zu bleiben und im Alltag Spannung und Frieden zu erleben.

 

 

 

Christian Gerig

 

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