Liebe Freunde von
AfghanCash,
vor etwas mehr als 2 Wochen
bin ich von meiner ersten Reise nach Afghanistan zurückgekommen. Abgesehen von
irgend einem afghanischen Virus bin ich gesund und voll motiviert für die nächsten
Schritte.
In diesem Newsletter möchte
ich kurz die relevanten Fakten der Reise bezüglich unseres Projektes
zusammenfassen:
A) Bankensystem
Es ergab sich die
Möglichkeit zu Gesprächen mit dem Finanzminister, der Aussenminister und allen
Direktoren und Deputy Presidents der National- und Zentralbank.
Mehrheitlich wurde unser
Projekt mit grossem Interesse aufgenommen. Nach diesen Gesprächen können wir
mit der Unterstützung der Regierung rechnen. Es wurde mir sogar fast schon
aufgedrängt, eine Privatbank zu gründen.
Bezüglich den Transaktionen
von Exilafghanen nach Afghanistan gibt es das grosse Problem, dass es aufgrund
des Sanktionstextes der UNO nicht erlaubt ist, auf Konten der Central Bank
of Afghanistan Geld zu überweisen. Da in Afghanistan aber keine andere Bank
besteht, verhindern die Sanktionen sämtliche finanziellen Transaktionen nach
Afghanistan.
Es wurde mir mehrfach
bestätigt, dass gerade die ärmsten Afghanen von der finanziellen Unterstützung
ihrer Verwandten im Ausland abhängig sind.
Nächste Schritte:
- Am 15. Januar werden wir
zusammen mit Paul Bucherer in Bubendorf eine Pressekonferenz organisieren. Im
Moment werden dafür die Unterlagen vorbereitet. Über unsere Homepage kann man
jederzeit die neuste Version abrufen.
- Auf der diplomatischen
Ebene wollen wir uns dafür einsetzen, dass die Schweiz die neuen Sanktionen
gegen Afghanistan nicht unterzeichnet. Es fanden diesbezüglich bereits erste
Gespräche in der Schweizer Botschaft in Islamabad statt.
- Die Aufarbeitung der
Fakten und Reiseeindrücke wird noch bis ende Januar dauern.
- Nach wie vor müssen wir
viel Zeit für die Sicherstellung der Finanzierung unseres Projektes einsetzen.
Eine grosszügige Spende von 1000.- und mehrere Gönnerbeiträge sind bereits bei
uns eingetroffen.
B) Afghanische Wirtschaft
Die afghanische Wirtschaft
kämpft mit strukturellen und finanziellen Problemen. Ohne die Aussicht auf
langfristige Stabilität wird es nicht möglich sein, die gewaltigen
Investitionen für Infrastruktur und Industrie aufzubringen.
Eindruck der ersten Reise
Afghanistan ist ein
wunderschönes Land. Leider aber sind die Aussichten auf einen Frieden aber sehr
schlecht. Die einseitigen Sanktionen gegen die Taliban führen zu einer massiven
Aufrüstung von Kommandant Massud und seiner Nordallianz. Die Taliban
untereinander verfolgen keinen einheitlichen Kurs. Der Einfluss pakistanischer
und saudischer Kräfte in der Talibanbewegung ist deutlich spürbar.
Das Leid dieser
hoffnungslosen Situation aber lastet auf der armen Bevölkerung Afghanistans,
die sich einfach nur Frieden wünscht. Das Problem Afghanistan kann man
nicht von aussen lösen.
Persönlich bin ich sehr
bereichert durch die Reise. Es war für mich unheimlich spannend eine neue
Kultur, die Wirkungen einer Diktatur, die Situation der Frauen und die Folgen
der schweren Dürre erfahren zu dürfen.
Ich wünsche Euch allen im
neuen Jahr das Glück, gesund zu bleiben und im Alltag Spannung und Frieden zu
erleben.
Christian Gerig