Liebe Freunde von Afghancash!
Die letzten 3 Wochen waren für unser Projekt eine
bewegte Zeit. Es haben sich einige interessante Kontakte ergeben. Natürlich
mussten wir auch Enttäuschungen und Rückschläge hinnehmen, damit mussten wir
aber rechnen. Der afghanische Virus hat mir noch einige Fieberschübe beschert,
ist jetzt aber wohl ausgezogen.
In den vergangenen Wochen hatte ich die Gelegenheit
zu mehreren sehr bereichernden Gesprächen. Unter anderem konnte ich mich mit
Dr. Aman, dem ehemaligen Finanzminister und Herrn Attaie, dem ehemaligen Post-
und Informationsminister jeweils ein längeres Gespräch führen. Die
Informationen dieser Leute haben mein Verständnis für politische Zusammenhänge
und wirtschaftliche Konsequenzen erheblich verbessert. Ein weiterer sehr
interessanter Kontakt konnte über Dr. Bauer in die Asiatische Entwicklungsbank
hergestellt werden. Die gewonnen Erkenntnisse werden direkt in die Gespräche
mit Talibanvertretern auf der nächsten Reise einfliessen. Ebenfalls sehr
erfolgreich war die Kontaktaufnahme mit Herrn Erst Mühlemann. Er brachte uns
mit seinem guten Draht nach Bern unserem Ziel, die Sanktionen gegen Afghanistan
zu verhindern, ein grosses Stück näher.
Leider musste die geplante Pressekonferenz in letzter
Minute abgesagt werden. Die Gründe dafür sind vielschichtig und im Blickpunkt
unsere Bemühungen auch nicht völlig einsichtig. Trotzdem erachte ich die
Weitergabe unserer Informationen und Erfahrungen nach wie vor als eine der
wichtigsten Aufgaben unserer Arbeit überhaupt. Entsprechend bemühe ich mich
momentan, selber als Autor eigene Artikel in Zeitungen veröffentlichen zu
können. Im Paris Match erschien am 18. Januar 2001 ein längerer Bericht über
Afghanistan mit den Fotos unserer letzten Reise. Vom Text in diesem Bericht
möchte ich mich allerdings distanzieren.
Vor einer Woche habe ich vom Ausschied von Silvia
Berger aus unserem gemeinsamen Projekt erfahren. Damit stellt sich für mich nun
die Frage, ob ich mich der Herausforderung Afghancash alleine stellen soll.
Durch den Wegfall von Silvia Berger ergibt sich für mich ein erheblicher
Mehraufwand. Am 2. Februar werde ich diesbezüglich eine endgültige Entscheidung
treffen.
In den nächsten Tagen werde ich weiter an Artikeln
schreiben und eine Präsentation unseres Projektes vorbereiten.
Selbstverständlich prüfe ich in den kommenden Tagen auch Möglichkeiten und
Kooperationen für das weitere Vorgehen. Das Projekt Afghancash steht an einem
kritischen Punkt. Von der finanziellen Seite her muss ich durch die neuen
personellen Fakten meine eigenen Einsatz neu einstufen. Dann gilt es aber auch
zu bedenken, dass wir uns nicht nur Freunde geschaffen haben mit unserem
Vorgehen. Unser Engagement birgt deshalb gewisse Risiken.
Aber eben, es gibt nichts Gutes, ausser man tut es!!
Liebe Grüsse
Christian Gerig