AfghanCash-Newsletter vom 8. Februar 2001 (Nr. 3)

 

 

Liebe Freunde von Afghancash!

 

Seit dem letzten Newsletter sind bereits wieder 2 Wochen vergangen. In dieser Zeit hat sich die Situation für die Menschen in Afghanistan deutlich verschlechtert. Gemäss meinen Informationen haben sich die Kämpfe im Norden von Afghanistan (wie zu erwarten war) intensiviert. Mehrere 10’000 Menschen sind auf der Flucht. Die Überlebenschancen dieser Flüchtlinge sind leider sehr gering. Zum Hunger kommen ungewöhnlich heftige Schneefälle hinzu. Vor 10 Tagen habe ich von einem afghanischen Flüchtling, der zum engsten Kreis um Ahmed Shah Mahsud zu zählen ist, vom Schicksal von über 70'000 Menschen erfahren, die im Moment auf einer Insel in mitten eines Flusses eingekesselt sind. In 2 Monaten beginnt die Schneeschmelze, dadurch wird der Wasserspiegel über das Niveau der Insel ansteigen.

 

Am 26. November fand die Mitgliederversammlung der Ostschweizer Hilfe für Afghanistan statt. Ich habe auf meiner letzten Reise im Namen dieses Vereins rund 15 kg Medikamente und ein Reflotrongerät an ein  Spital in Kabul übergeben. An der Versammlung wurde beschlossen, dass man trotz aller Ungewissheit einen nächsten Hilfsgütertransport organisieren möchte. Dieses Projekt liegt mir sehr am Herzen. Entsprechend werde ich in den nächsten Wochen viel Zeit darin investieren.

Wir (OHA) möchten beim Bundesrat die Einreise von 12 afghanischen Frauen erwirken. Diesen Frauen soll in der Schweiz eine Plattform geboten werden, um eine Konferenz abzuhalten und Gespräche mit der Menschenrechtskommission in Genf zu führen. Bis heute ignoriert die Weltpolitik weitgehend 50% der afghanischen Bevölkerung.

 

Am vergangenen Freitag hatte ich die Möglichkeit zu einem Gespräch mit Botschafter P. Maurer, Botschafter R. Bärfuss, Herr Reinhard und Frau Schnyder. Nach einer kurzen Vorstellung des Projektes AfghanCash ergaben sich einige interessante Fragen. Es besteht jetzt zumindest ein erster Kontakt in die Spitze des EDA. Die Wahrscheinlichkeit, dass mein Projekt von der Regierung offiziell unterstützt wird, schätze ich jedoch auf höchstens 10%. In 3 Wochen sollte eine Entscheidung fallen.

 

Bei einem Besuch in Essen traf ich meinen  Freund Seddiqi Faruq. Er hat uns auf der letzten Reise als Übersetzer begleitet und ist ein enger Freund von Haji Amin. Auf „neutralem“ Boden erfuhr ich einige sehr interessante Dinge.

 

Die finanzielle Situation des Projektes hat sich dank einer grosszügigen Spende für die nächsten 20 Tage etwas entspannt. Sie bleibt aber ein kritischer Punkt, der mich jederzeit zur Aufgabe meiner Pläne zwingen kann.

 

In diesen Tagen sollte nun endlich mein Bericht im Walliserboten erscheinen. Mit etwas Glück wird es eine farbige Doppelseite. Ich habe über den wahren Auftrag der Talibanbewegung und über die wirtschaftliche Situation geschrieben. In einem Kommentar bekenne ich mich zum Friedensprozess in Afghanistan. Egal wie chaotisch und undankbar die Situation in Afghanistan ist, ich weigere mich die Diskussion bezüglich des richtigen Zeitpunktes für eine Friedensinitiative zu führen.

Wie ich schon im letzten Newsletter erwähnt habe, stosse ich mit meiner Einstellung und meiner Offenheit teilweise auf ziemlich viel Gegenwind. Trotzdem freue ich mich, dass der Walliserbote es mir ermöglicht, über Afghanistan unverfälscht zu informieren.

 

Als Abschluss möchte ich Euch noch auf meine Homepage locken. Einmal im Tag sollte man herzhaft lachen! Ich helfe Euch dabei: http://www.afghancash.com/people.asp

 

 

Liebe Grüsse

 

Christian Gerig

http://www.afghancash.com

 

 

P.S. Meine Kollegin Ariane Bauer (e-mail Ariane.Bauer@student.unisg.ch) ist zur Zeit in Kasachstan. Ich wünsche Ihr in der Kälte (bei uns messen wir heute 19° C) viel Erfolg und Abwechslung. Hut ab vor diesem Abenteuer!