Liebe Freunde von Afghancash!
Seit dem letzten Newsletter sind bereits wieder 2
Wochen vergangen. In dieser Zeit hat sich die Situation für die Menschen in
Afghanistan deutlich verschlechtert. Gemäss meinen Informationen haben sich die
Kämpfe im Norden von Afghanistan (wie zu erwarten war) intensiviert. Mehrere
10’000 Menschen sind auf der Flucht. Die Überlebenschancen dieser Flüchtlinge
sind leider sehr gering. Zum Hunger kommen ungewöhnlich heftige Schneefälle
hinzu. Vor 10 Tagen habe ich von einem afghanischen Flüchtling, der zum engsten
Kreis um Ahmed Shah Mahsud zu zählen ist, vom Schicksal von über 70'000
Menschen erfahren, die im Moment auf einer Insel in mitten eines Flusses
eingekesselt sind. In 2 Monaten beginnt die Schneeschmelze, dadurch wird der
Wasserspiegel über das Niveau der Insel ansteigen.
Am 26. November fand die Mitgliederversammlung der
Ostschweizer Hilfe für Afghanistan statt. Ich habe auf meiner letzten Reise im
Namen dieses Vereins rund 15 kg Medikamente und ein Reflotrongerät an ein Spital in Kabul übergeben. An der
Versammlung wurde beschlossen, dass man trotz aller Ungewissheit einen nächsten
Hilfsgütertransport organisieren möchte. Dieses Projekt liegt mir sehr am
Herzen. Entsprechend werde ich in den nächsten Wochen viel Zeit darin
investieren.
Wir (OHA) möchten beim Bundesrat die Einreise von 12
afghanischen Frauen erwirken. Diesen Frauen soll in der Schweiz eine Plattform
geboten werden, um eine Konferenz abzuhalten und Gespräche mit der
Menschenrechtskommission in Genf zu führen. Bis heute ignoriert die Weltpolitik
weitgehend 50% der afghanischen Bevölkerung.
Am vergangenen Freitag hatte ich die Möglichkeit zu
einem Gespräch mit Botschafter P. Maurer, Botschafter R. Bärfuss, Herr Reinhard
und Frau Schnyder. Nach einer kurzen Vorstellung des Projektes AfghanCash
ergaben sich einige interessante Fragen. Es besteht jetzt zumindest ein erster
Kontakt in die Spitze des EDA. Die Wahrscheinlichkeit, dass mein Projekt von
der Regierung offiziell unterstützt wird, schätze ich jedoch auf höchstens 10%.
In 3 Wochen sollte eine Entscheidung fallen.
Bei einem Besuch in Essen traf ich meinen Freund Seddiqi Faruq. Er hat uns auf der
letzten Reise als Übersetzer begleitet und ist ein enger Freund von Haji Amin.
Auf „neutralem“ Boden erfuhr ich einige sehr interessante Dinge.
Die finanzielle Situation des Projektes hat sich dank
einer grosszügigen Spende für die nächsten 20 Tage etwas entspannt. Sie bleibt
aber ein kritischer Punkt, der mich jederzeit zur Aufgabe meiner Pläne zwingen
kann.
In diesen Tagen sollte nun endlich mein Bericht im
Walliserboten erscheinen. Mit etwas Glück wird es eine farbige Doppelseite. Ich
habe über den wahren Auftrag der Talibanbewegung und über die wirtschaftliche
Situation geschrieben. In einem Kommentar bekenne ich mich zum Friedensprozess
in Afghanistan. Egal wie chaotisch und undankbar die Situation in Afghanistan
ist, ich weigere mich die Diskussion bezüglich des richtigen Zeitpunktes für
eine Friedensinitiative zu führen.
Wie ich schon im letzten Newsletter erwähnt habe,
stosse ich mit meiner Einstellung und meiner Offenheit teilweise auf ziemlich
viel Gegenwind. Trotzdem freue ich mich, dass der Walliserbote es mir
ermöglicht, über Afghanistan unverfälscht zu informieren.
Als Abschluss möchte ich Euch noch auf meine Homepage
locken. Einmal im Tag sollte man herzhaft lachen! Ich helfe Euch dabei:
http://www.afghancash.com/people.asp
Liebe Grüsse
Christian Gerig
http://www.afghancash.com
P.S. Meine Kollegin Ariane Bauer (e-mail
Ariane.Bauer@student.unisg.ch) ist zur Zeit in Kasachstan. Ich wünsche Ihr in
der Kälte (bei uns messen wir heute 19° C) viel Erfolg und Abwechslung. Hut ab
vor diesem Abenteuer!