AfghanCash-Newsletter vom 3. März 2001

 

Summary:

- Artikel im Tagblatt und dem Walliserboten

- Zerstörung von Kulturgütern, Ist die Zukunft der Taliban am Ende?

- Geplante Reise zur Nordallianz in 3 Wochen

          Ziele: Humanitäre Hilfe, Lage der Wirtschaft (AfghanCash), Recherchieren der Flüchtlingsproblematik

- Hilfsgütertarnsport, Spendenaufruf: www.afghancash.com/Goenner.asp oder UBS AG Naters: Konto-Nr. 263/55601140M1

- Neue Kooperationen, neue Adresse: Binenweg 5, 3904 Naters, 027 923 68 27

 

 

Liebe Freunde von Afghancash!

 

Das Projekt AfghanCash ist auf einem guten Weg. Ich freue mich, dass sich in den letzten Wochen weitere sehr interessante Kontakte ergeben haben. Zuerst möchte ich hier eine kleine Standortbestimmung wagen. Seit 4 Monaten gibt es das Projekt AfghanCash. Zu Beginn des Projektes haben Silvia Berger und ich einen Projektplan erstellt. Heute stelle ich fest, dass in der ersten Phase die Resultate über den Plan hinausgehen. Es ist gelungen, sehr gute Beziehungen in und ausserhalb von Afghanistan aufzubauen. Die Erfahrungen der ersten Reise im Dezember gaben mir die nötige Glaubwürdigkeit, so dass ich auch mit Afghanen und Politikern in der Schweiz ernsthafte Gespräche führen konnte. Meine Bemühungen, auf das Thema Afghanistan aufmerksam zu machen, wurden von interessanten aktuellen Vorkommnissen in Afghanistan unterstützt. So gelang es, ganzseitige Artikel im Walliserboten und den Tageszeitungen der Ostschweiz zu publizieren, die bereits einige Reaktionen ausgelöst haben. Am Dienstag wird ein grösserer Artikel in der Solothurner Zeitung erscheinen. Ich betrachte es als wichtigen Teil des Projektes, über Afghanistan zu berichten. Natürlich habe ich im letzten Sommer nicht mit so viel Gegenwind gerechnet. Das Thema Afghanistan wird durch das Verhalten der Taliban stark belastet. Es kommt noch erschwerend hinzu, dass ich teilweise in meiner Arbeit gezielt ausgebremst wurde. Enttäuschend ist sicher auch, dass ich von offizieller Seite her keine wesentliche Unterstützung erhalten habe. Die meisten Afghanistanexperten sind schon etwas älter und oft sehr eingefahren in ihren Meinungen und ihrem Vorgehen. Damit habe ich bis heute grössere Schwierigkeiten.

Sehr positiv erlebe ich aber die Bereicherung durch die afghanische Kultur. Diese Erfahrungen alleine sind für mich Grund genug, die Arbeit fortzusetzen. Die Phase 2 kann beginnen!

 

Seit zwei Wochen stehe ich in engem Kontakt mit Farhad Akbarzada, einem Orthopäden aus St.Gallen. Farhad wuchs im Panshir-Tal auf und lebt nun seit 10 Jahren in der Schweiz. Am 16. Februar haben wir uns entschlossen, gemeinsam eine Reise in den Norden von Afghanistan zu unternehmen. Seither öffnen sich täglich neue Türen. Dr. Karl Seiler wird mit grosser Wahrscheinlichkeit auch an der Reise teilnehmen. Er verfügt über langjährige Erfahrungen mit Afghanen und den Folgen des Krieges. Zusammen mit Freunden hat er 1989 die „Ostschweizer Hilfe für Afghanistan“ gegründet, die seither regelmässig humanitäre Hilfe vor Ort leistet. Für die Reise setzen wir uns drei Ziele:

 

         1. Humanitäre Hilfe

            -           Besuch von Spitälern, welche schon Hilfe von uns erhalten haben

            -           Übergabe von Medikamenten und Laborreagenzien

            -           Untersuchung Tuberkulose-Therapie-Resistenz in diesem Gebiet

            -           Abklärung konkreter Bedürfnisse

                        Ziel: Information unserer Mitglieder sowie der Öffentlichkeit und

                        der Schweizer Regierung betreffend der Situation in Afghanistan.

 

            2. Wirtschaft

Wie können Exilafghanen direkt ihre Familien im Ausland

                        unterstützen? Welche Rolle könnten diese Zahlungen bei einem

                        Wiederaufbau des Landes spielen?

                        Analyse der Wirtschaft und des Bankensystems.

 

            3. Journalismus

            -           Recherchen im Bereich der Flüchtlinsproblematik und den

                        Auswirkungen der Sanktionen auf das afghanische Volk.

                        Ziel: Verfassen von Artikeln für die Schweizer Tagespresse

 

Dr. Abdullah, die rechte Hand von Massoud, hat uns versichert, dass wir in Afghanistan die Möglichkeit haben werden, unsere Ziele zu verfolgen. Es besteht sogar eine kleine Wahrscheinlichkeit, dass wir Massoud persönlich treffen können.

Wir planen, sobald wie möglich abzureisen. Besonders meine Interessen an der Flüchtlingsfrage sind wegen der Schneeschmelze sehr zeitkritisch. Etwa 70'000 Menschen sind auf einer Insel, im Grenzfluss zu Turkmenistan eingeschlossen. Ich werde demnächst die vorgesehene Reiseroute unter http://www.afghancash.com veröffentlichen.

 

Im Moment mobilisieren sowohl die Taliban als auch die Nordallianz ihre letzten Kräfte. Die Lage in Afghanistan wird weiter verunsichert durch die unklare Haltung der USA. Clinton liess unter dem Druck seiner Frau und feministischer Organisationen vor zwei Jahren die Taliban (offiziell) fallen. Es ist denkbar, dass der Texaner Bush wirtschaftliche Interessen grosser amerikanischer Erdölkonzerne mehr gewichten wird. Bush hat kürzlich im Irak angedeutet, dass er wenig Energie für diplomatische Lösungen aufbringen will.  In diesen Tagen erheben die Taliban ihre Waffen gegen die Kulturgüter Afghanistans. Damit zerstören sie die Seele und die Vergangenheit der Afghanen - eine traurige Entwicklung, die leider nicht umkehrbar ist. Typisch ist auch, dass uns Maulawi Qodatullah Jamal (Minister für Kultur und Information) vor zwei Monaten beim Abendessen noch versichert hat, dass man keine Kunstgegenstände zerstören werde. Mir scheint, dass die Taliban durch diese Aktion beweisen, dass sie ihre Ziele in Afghanistan nicht erreicht haben und es nicht geschafft haben, einen unabhängigen Weg zu finden.

 

Ich habe das EDA nochmals angeschrieben, das Projekt doch mit einem kleinen Betrag zu unterstützen. Eine Antwort steht noch aus. Dafür wurden kürzlich 7 Millionen für Afghanistan an Hilfswerke verteilt, von denen mir keines Auskunft über die Tätigkeit in Afghanistan geben kann oder will. Ebenfalls noch offen ist die Entscheidung von Western Union über eine Kooperation. Ernst Mühlemann hat in Bern an allen wichtigen Stellen meine Anliegen deponiert. Über die Universität St.Gallen versuche ich, 10 Computer zu erhalten. Kuno Schedler wird sich um die Finanzierung dieser PC’s kümmern. In den nächsten Tagen sollte Herr Haji Amin in der Schweiz eintreffen. Er ist unser Verbindungsmann zu den Taliban, die wir dazu bringen wollen, den nächsten Hilfsgütertransport teilweise zu bezahlen. Dadurch wären die Taliban mehr eingebunden und die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Güter gleich wieder an pakistanische Schmuggler verkauft werden, würde sinken. Wenn Ihr Euch bei diesem Projekt finanziell beteiligen möchtet (wir planen einen Transport von etwa 20 Tonnen Medikamenten, Leintüchern, Desinfektionsmitteln und Comutern), könnt Ihr das mit einem Vermerk bei der GönnerInnen-Anmeldung unter http://www.afghancash.com/Goenner.asp gerne angeben. Für die Reise ins Panshir-Tal werden wir Medikamente im Flugzeug mitnehmen.

Die Zusammenarbeit mit P. Bucherer, dem Leiter der Bibliotheca Afghanica habe ich gelockert. Dafür besteht eine sehr fruchtbare Beziehung mit der Ostschweizer Hilfe für Afghanistan und jungen Afghanen aus der Region St.Gallen. Ich habe die letzten Wochen auch dazu genutzt, mein Wissen im Bereich der islamischen Wirtschaftswissenschaften zu vertiefen. Wenn ihr Euch für die Talibanbewegung interessiert, kann ich Euch ein sehr interessantes Buch empfehlen: „Taliban“ von Ahmed Rashid.

Am letzen Wochenende habe ich meinen Haushalt in St.Gallen aufgelöst. Für die nächsten Monate erreicht man mich über die Adresse meiner Eltern:

 

Christian Gerig

Binenweg 5

3904 Naters

 

027 923 68 27

 

Ich wünsche Euch allen eine gute und friedliche Zeit!

 

Christian

http://www.afghancash.com