Summary:
- Visum für Tadschikistan: unsere Geduld ist gefragt
- Dank an alle GönnerInnen meines Projektes, http://www.afghancash.com/Deutsch/Goenner.asp
- Rund 150 kg chirurgische Instrumente erster
Qualität im Wert von über 15'000.- wurden uns von Christoph Ulrich als Spende
übergeben
- Kommandant Masud zum ersten Mal in Europa: Farhad
und ich begleiteten seine Delegation in Paris.
- Artikel im St.Galler Tagblatt: Mein Artikel
beschreibt mögliche Umbrüche in Afghanistan und die Vision von Kommandant Masud
für ein Afghanistan nach der Revolution gegen die Taliban,
http://www.afghancash.com/Deutsch/Presse.asp
- Projekt-Strategie für die nächsten 2 Monate
abgelegt auf der Homepage http://www.afghancash.com/Deutsch/Analysen.asp
- Treffen mit Frau Dr. Sima Samar in Schaffhausen,
Übergabe von medizinischem Material für ihre Spitäler und
Krankenschwesternschulen in Quetta
- Ex-Nationalrat Ernst Mühlemann vermittelt Kontakt
zu der Stiftung von Hans-Georg Lüchinger
Fragen oder Anregungen?
AfghanCash-Hotline: 079 218 84 61
http://www.afghancash.com
Christian.Gerig@student.unisg.ch
Liebe Freunde von AfghanCash!
Strategie
Das Projekt hat zwei bewegte Wochen hinter sich, die besonders für mich persönlich sehr lehrreich waren. Schon seit Wochen warten wir auf ein Visum für Tadschikistan. Wir werden teilweise systematisch in unserer Arbeit behindert. Das führt dazu, dass ich sehr viel Zeit und Energie in kleine Fortschritte stecken muss, die noch dazu kaum dem Projekt dienen. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um mein Engagement zu überdenken. Die Verantwortung jetzt abzugeben, schien mir zu keinem Zeitpunkt sinnvoll. Heute steht für mich fest, dass es Zeiten gibt und geben wird, wo die langfristigen Ziele in den Vordergrund rücken. Langfristig will das Projekt AfghanCash den Friedensprozess in Afghanistan mit konkreten Taten unterstützen. Die eingeschlagene Richtung scheint mir deshalb grundsätzlich richtig zu sein.
GönnerInnen
Einige von euch haben sich nach meinem letzten Newsletter spontan zu einem Gönnerbeitrag entschlossen. Ich danke euch allen für euer Vertrauen und Interesse. Christoph Ulrich wurde über meinen Zeitungsartikel im St.Galler Tagblatt auf die Ostschweizer Hilfe für Afghanistan aufmerksam und hat sich zu einer Spende von 150 kg erstklassiger chirurgischer Instrumente, Pumpen und Sägen im Wert von über 15'000.- entschlossen. Eine Kiste aus diesen Beständen haben wir unserem Verbindungsmann zu den Taliban, Herr Haji Mohammad Amin, diese Woche in Bubendorf übergeben. Er wird sie dem Frauenspital in Kabul übergeben, zu dem wir seit der letzten Reise nach Afghanistan Kontakt pflegen. Eine weitere Kiste nimmt Frau Dr. Sima Samar für Ihre Krankenschwesternschulen in Quetta mit. Ich traf Frau Dr. Sima am Samstag in Schaffhausen an einem Anlass der Afghanistan Hilfe Schaffhausen. Den Rest der Instrumente werden wir auf unserer Reise ins Panshir-Tal mitführen. Mit diesen kleinen Hilfsaktionen beziehen wir bewusst keine Position in diesem Krieg in Afghanistan.
Vor einer Woche habe ich
erfahren, dass Kommandant Achmed Shah Masud zum ersten Mal überhaupt nach
Europa kommen wird. Das Europäische Parlament hatte in eingeladen. Einer
Aufforderung der afghanischen Botschaft, an den Treffen mit Masud in Paris
teilzunehmen, folgte ich gerne. Farhad und ich reisten deshalb am vergangenen
Mittwoch nach Paris, wo wir an der Pressekonferenz, einer Sitzung für
Hilfswerke und einem Treffen der Freude Afghanistans teilnahmen. An der
Pressekonferenz stellte Masud seine neue Allianz und die Vision eines freien
und demokratischen Afghanistans vor. Diese Eindrücke habe ich in einem Artikel
verarbeitet, der am Freitag im St.Galler Tagblatt abgedruckt wurde. Ich habe
den Artikel auf der Homepage zum Projekt abgelegt:
http://www.afghancash.com/Deutsch/Presse.asp
An der Sitzung für
Hilfswerke ging Kommandant Masud speziell auf die Fragestellung von AfghanCash
ein. Er motivierte die Exilafghanen auf der ganzen Welt, in dieser schweren
Zeit ihre Angehörigen in Afghanistan finanziell zu unterstützen. Farhad und ich
haben Masud einen Brief übergeben, in dem wir ihm mitteilen, dass wir uns mit
dem Problem eines direkten Transaktionssystems befassen und auf seine
Unterstützung in dieser Sache hoffen.
Das Treffen der Afghanen
war dann ernüchternd und aufschlussreich zugleich. Die Revolution gegen die
Taliban wird dereinst nicht unblutig vonstatten gehen. Populisten und
Kriegshetzer in den Reihen der Afghanen verpassen keine Gelegenheit, alle
Schuld dem Feind Pakistan zuzuschieben. Doch so einfach ist das alles eben
nicht. Frieden zu schliessen fordert die Toleranz aller Beteiligten. Trotzdem
gab es an diesem Treffen viele beeindruckende Szenen: Männer (98% Anteil im
Saal!) lasen Gedichte vor, in denen sie dem Schmerz ihres Exils Ausdruck gaben,
die Fragen waren grundsätzlich viel länger als die Antworten, das Charisma von
Masud fesselte die Leute hier. Der Weg zum dauerhaften Frieden ist wohl doch
noch weiter, als sich das viele Afghanen wünschen. Menschen scheinen durch ihr
Machtstreben diesen Weg auch noch gewaltig zu verlängern.
Ich halte es für
wahrscheinlich, dass die Taliban sehr unruhigen Zeiten entgegen gehen. Das
gleiche scheint auch für den internationalen Terrorismus zu gelten, der sich in
der Region Kandahar in den letzten Jahren zunehmend konzentriert hat. Die USA
haben durch ihre Politik diesen Prozess wenn nicht gefördert, dann zumindest
zugelassen. Die militärischen Optionen, die jetzt diskutiert werden, finde ich
sehr besorgniserregend. Durch die Taliban hat der Islam im Westen den Ruf einer
menschenverachtenden Religion erhalten. Für mich ist es verwerflich, sich
dieser einseitigen Betrachtung hinzugeben und die eventuellen kommenden
Bluttaten zu legitimieren. Wenn man schon von Menschenrechten redet, sollte man
nicht vergessen, dass die Opfer dieses Konfliktes Menschen sein werden.
Ex-Nationalrat Ernst
Mühlemann hat schon verschiedentlich für mein Afghanistan-Projekt in Bern
geworben. Jetzt hat er einen Kontakt zu der Stiftung von Hans-Georg Lüchinger
hergestellt. Ich hoffe, im nächsten Newsletter bezüglich der Finanzen von einem
Erfolg berichten zu können.
Ein ganz treuer und toller
Freund von AfghanCash ist Sebastian Bauer von der Asiatischen Entwicklungsbank.
Er wird nicht müde, seine Leute zu informieren und um Unterstützung zu bitten.
Das ist ein ganz wunderbares Engagement. Danke Sebastian!
Das Leben ist manchmal zu
kurz, weil wir zu wenig Leben leben!
Als Mittel gegen Kürze wünsche ich euch Würze - eine ausgefüllte Gegenwart und ein paar verrückte Ideen.
Khasta na bashid (möget ihr nicht ermüden!)
Christian
http://www.afghancash.com
Hotline: 079 218 84 61