AfghanCash-Newsletter SPEZIAL vom 21. April 2001

 

Summary:

 

-    Voraussichtlicher Abflugtermin 2. Mai 2001

-    Reiseroute: Zürich, Taschkent (Usbekistan), Dushambe (Tadschikistan), Panshir (Afghanistan), Dushambe, ??

-    neue CH-Sanktionen gegen die Taliban und ihre Auswirkungen

-    kurze persönliche Einschätzung der aktuellen Lage in Afghanistan

-    Hilfsgütertransport: Medikamente, chirurgische Instrumente, Computer, Server, Drucker, Decken

-    neue Kontakte: Hans-Dieter Vontobel (Vontobel AG), Rolf Escher (Ständerat), PRISMA (Studentenzeitschrift Universität St.Gallen), Alice Zimmermann (Paul Schiller-Stiftung)

 

„Bilder beherrschen die Träume – und Träume beherrschen die Taten.“ Ein lieber Freund von mir, Sergo de Mathos Cunha (www.mygallery.ch), ist ein wirklich wunderbarer Mensch und Künstler. Er ist reich an Bilder und Träumen. Noch haben zu wenige Menschen diesen Schatz erkannt. Sergo de Mathos Cunha wird seine Eindrücke und Emotionen über Afghanistan in einem Bild verarbeiten. Dieses Bild wird dann zu Gunsten vom Projekt Afghanistan versteigert. Ich danke Dir Sergo für das Bild, den Traum und die Tat.

 

Fragen oder Anregungen?

 

AfghanCash-Hotline: 079 218 84 61

http://www.afghancash.com

Christian.Gerig@student.unisg.ch

 

 

 

Liebe Freunde von AfghanCash!

 

„Ihr habt die Uhr, wir haben die Zeit“

 

Nun scheint es mit der zweiten Reise nach Afghanistan doch noch zu klappen. Über Usbekistan werden wir versuchen nach Tadschikistan einzureisen. Ich habe den Plan eines direkten Fluges nach Tadschikistan nach über 7 Wochen des Hin und Her aufgegeben. Im Moment ist es unmöglich, von hier aus ein Visum für Tadschikistan zu erwirken.

In den nächsten Tagen laufen nun die Vorbereitungen für die Abreise auf Hochtouren. Wir müssen unser Material fertig einpacken. Die Heer Verpackungs AG in St.Gallen wird uns gratis Kisten für den Flugtransport anfertigen. Am kommenden Donnerstag werden wir den definitiven Bescheid über unseren Visumsantrag in Usbekistan erhalten. Unter http://www.afghancash.com werde ich demnächst weitere Unterlagen zu unserer Reise ablegen.

 

Sanktionen

 

Am 11. April 2001 hat die Schweiz sich entschlossen, die UNO-Sanktionen vom vergangenen Dezember gegen die Taliban in ihrem Wortlaut zu übernehmen. Persönlich habe ich vor und nach dem 11. April gegen diesen Entscheid gekämpft. Ich stehe dazu, dass ich Sanktionen für einen Fehler halte. Die arme Bevölkerung wird zuerst noch grösseren Mangel leiden. In diesem Konflikt einseitig eine Kriegspartei zu sanktionieren kann gefährliche kriegsverlängernde Auswirkungen haben. Der Dialog verbunden mit viel Tolleranz und Mut zum Austausch wäre eine prüfenswerte Alternative gewesen. Ich habe Bundesrat Deiss in einem Brief über meine Enttäuschung informiert.  Der Spielraum vom Projekt AfghanCash wurde durch den neuen Sanktionstext weiter eingeschränkt.

 

Hilfsgüter

Das Projekt der PC-Schulungsräume hat weitere Fortschritte gemacht. Es wurden uns in den letzten Tagen noch 3 Server, ein PC und 2 Drucker übergeben. Vielen Dank an die grosszügigen Spender.

Eine Freundin von AfghanCash wird 25 Decken spenden. Decken sind oft der einzige Schutz vor der extremen Kälte im Hochgebirge von Afghanistan. Ich freue mich, dass ich dieses Geschenk übergeben darf. Die Paul Schiller-Stiftung wird sich voraussichtlich wesentlich an den Transportkosten von rund 3000.- beteiligen. Die Lebensmittel werden wir in Tadschikistan einkaufen. Da stehen wir noch vor der Aufgabe, das Material von Dushambe nach Afghanistan zu transportieren. Für den Helikopter sind die Sachen wohl zu schwer.

http://www.afghancash.com/Goenner.asp

 

AfghanCash

 

Die Reise werden wir dazu nutzen. In Panshir nach Möglichkeit ein kleines Büro zu mieten und 2 Leute einzustellen. Es soll eine Informationszentrale entstehen. Über die Leute in Afghanistan wollen wir deren Verwandte in Europa, USA und Australien erreichen. Die Zentrale soll also ein erster konkreter Schritt in der Umsetzung eines direkten Transaktionssystems sein. Gleichzeitig wollen wir aber auch ein Zeichen setzen, dass das Ausland Afghanistan nicht vergessen hat. Da niemand weiss, wie sich die Situation in Afghanistan entwickeln wird, ist unser Engagement natürlich mit vielen Risiken verbunden. Entsprechend müssen wir unsere Erwartungen und die Kosten tief halten. Die laufenden Kosten für Löhne, Miete, Ausbildung und Material werden sich auf etwa 300 USD belaufen. Über private Spenden hoffe ich diesen Betrag aufbringen zu können.

http://www.afghancash.com/Goenner.asp

 

 

Nahe Zukunft – ein Szenario

 

Die Nordallianz geht gestärkt hervor aus den Turbulenzen der letzten Wochen. Viele Länder haben öffentlich die Taliban kritisiert. Die Spaltung der Taliban in das Lager der Nationalisten und jenes der Pakistan-Treuen schreitet weiter vor. Pakistan wird unter Druck geraten. Ich rechne damit, dass die Atommacht Pakistan im Zweifelsfalle den eigenen Kopf aus der Schlinge ziehen und die Taliban fallen lassen wird. Die pakistanische Wirtschaft liegt am Boden und ist dringend auf die Unterstützung der Weltbank angewiesen. In diesem Szenario wird es zu einem blutigen und zerstörerischen Krieg kommen. Über wie viele Sommer sich dieser Krieg hinziehen wird, kann ich nicht abschätzen. Die Rolle des Iran und Indien wird diesen Konflikt ebenfalls prägen. Einmal mehr werden es äussere Einflüsse sein, die diesen Krieg verlängern.

 

 

Kontakte

 

In den letzten 2 Wochen habe ich sehr viele Briefe geschrieben und unser Projekt bei Politikern und Wirtschaftsvertretern  vorgestellt. Ob sich aus diesen Kontakten konkret etwas ergeben wird, müssen wir noch abwarten.

 

Das PRISMA (die Studentenzeitschrift der Universität St.Gallen) wird über das Projekt in der nächsten Ausgabe einen Artikel veröffentlichen. Damit hoffe ich, dass die Einbindung der Universität in das Projekt weitere Fortschritte machen wird. Im Mai wird im Studentenparlament eventuell über meinen Antrag um Unterstützung aus dem Sozialfons der Universität St.Gallen abgestimmt. Falls ihr da ParlamentarierInnen kennt, wäre das sehr nützlich.

 

Vortrag

 

Am Mittwoch findet an der ETH Zürich ein Vortrag zum Thema Afghanistan statt. A. Hottinger, der ehemalige Nahostkorrespondet der NZZ, wird der Referent sein. Ein Besuch dieser Veranstaltung lohnt sich.

Afghanistan: Das Dorf terrorisiert die Stadt

17:15 - 19:00, HG E3

 

Bis zum nächsten Newsletter wird es wohl einige Wochen dauern. Afghanistan wartet! Unsere Reise ist eine Chance unserem Mensch-Sein einen Sinn zu geben. Ich bin überzeugt, dass diese Chancen mindestens so zahlreich sind wie die Risiken.

 

Khasta na bashid  (möget ihr nicht ermüden!)

 

Christian

 

http://www.afghancash.com

Hotline: 079 218 84 61