Are we too square?

 

Oder mit welchen lauen Argumenten ein Gesuch um finanzielle Unterstützung für ein Projekt in Afghanistan von der Sozialkommission und dem Studentenparlament gedanken- und verantwortungslos abgelehnt wurde....

 

An der Gestaltung der Welt mitwirken?

Hast Du Dir schon einmal überlegt wie Dein Leben ohne Kommunikationssysteme und ohne Bankeninstitute funktionieren würde? Also ohne Dein Handy, ohne Festnetzanschluss in Deiner WG, ohne E-Mail in der Vorlesungspause und ohne Deine goldene American Express Karte?

Es gibt tatsächlich ein Land auf dieser Welt, wo keines dieser Systeme genutzt werden kann, weil es sie nicht gibt: Afghanistan.

Vielleicht weißt Du auch nicht, dass es an der HSG einen sogenannten Sozial- und Kulturfonds gibt? Dieser setzt sich unter anderem aus dem freiwilligen Semesterbeitrag von SFR. 10.- zusammen, den Du hoffentlich jedes Semester entrichtest. Für eine gute Sache Geld spenden, das tut gut, auch wenn wenige wissen, wohin das Geld fliesst. Radio Herzschlag (nice to have), Oikos und andere studentische Organisationen werden damit unterstützt - unter Anderem, wie es so schön heisst.

Schlagsatz Nummer eins an unserer von humanistischen Ideen geprägten HSG ist „Wir fordern und fördern Persönlichkeiten“. Gemäss Leitbild der HSG wird unter Persönlichkeit „die ausgeprägte Individualität, die mit den erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten an der Gestaltung unserer Welt mitwirkt...“ verstanden. Soweit so gut.

 

Afghancash und studentenparlamentarische Auslegungen

Es gibt tatsächlich Studierende, die sich diese Aussage zu Herzen nehmen und ernsthaft versuchen an unserer Welt mitzuwirken. So zum Beispiel Christian Gerig. Er investierte sein junges Vermögen, sein Zwischenjahr sowie Herz und Seele in die Gründung von „Afghancash“ (www.afghancash.com). Dieses Projekt hat folgende drei Ziele: Forschung, Information und humanitäre Hilfe in Afghanistan, in einem Land, in dem seit 23 Jahren Krieg herrscht, welches weniger weit entwickelt ist, als Europa im Mittelalter und das weder ein Post- noch ein Bankensystem hat. Christian Gerig, stellte einen Antrag für einen finanziellen Beitrag aus dem erwähnten Sozial- und Kulturfonds der Universität St.Gallen.

Der Antrag wurde am 3. April gestellt. Bis anfangs Juni wurde nicht über den erwarteten Entscheid informiert. Erst nach wiederholtem Nachhaken von prisma wurde mitgeteilt, dass der Antrag von der Sozialkommission einstimmig abgelehnt worden sei. Mit Betonung auf einstimmig (Hat da jemand behauptet, dass an der HSG alle mit dem selben Strom schwimmen?).

 

Die Begründung der Ablehnung ist Art. 2 des Reglements über den Sozialfonds der Studentenschaft, der da lautet: „Der Fonds hat den Zweck..... studentische Aktivitäten, die grundsätzlich allen Studierenden offen stehen, zu unterstützen“. Es ist jedoch festzustellen, dass dieses Projekt erstens von einem Studenten initiiert ist und zweitens gemäss Christian Gerigs Aussage grundsätzlich jede Art von Mitarbeit und Unterstützung (studentisch oder nicht) willkommen ist.

Ebenso unhaltbar die Ablehnung basierend auf Art. 17 Abs. 2: „Es werden solche Projekte bevorzugt behandelt, die finanziell benachteiligten Studierenden zu Gute kommen“. Denn diese Voraussetzung ist in Christian Gerigs Fall gegeben, da er durch seine humanitäre Aktivitäten in eine Situation geraten ist, die man als finanzielle Benachteiligung verstehen kann. Würde dieser Artikel immer so eng ausgelegt, wäre Radio HerzSchlag wohl kaum zu seinem finanziellen Zustupf gekommen.

 

Wie weit geht die Welt?

Die Ablehnung des Antrages auf finanzielle Unterstützung dieser studentischen, humanitären und wirtschaftswissenschaftlichen Initiative ist absolut unhaltbar. In diesem Fall geht es für einmal nicht um die Anreicherung von Lebensläufen am Rosenberg, sondern um Menschenleben selbst. Wenn wir unter „unserer Welt“, an der wir „mitwirken“ wollen, einen regional oder ideell begrenzten Raum verstehen, dann ist dies ein Armutszeugnis erster Güte. Ein Gremium von jungen Menschen aus unseren Reihen scheint damit aber kein Problem zu haben, oder hat vielleicht auch einfach zu wenig über die Tragweite seiner Entscheidungskraft reflektiert.

 

Afghancash steht deshalb allen Studierenden und auch anderen Menschen offen, die über den Rand des Wallstreet Journals hinausschauen wollen, die wirklich global denken, die für eine Weltengemeinschaft aber gegen eine kurzsichtige Wirtschaftsaristokratie kämpfen und die unter Kultur nicht Wirtschaftssystem verstehen. Es ist bitter wenn wir nicht mithelfen, für ein Land die Grundsteine zu legen, damit es irgendwann aus seiner kriegsbedingten Isolation ausbrechen kann.

 

Afghanische Staatsbürger können heute noch nicht telefonieren und keine Briefe empfangen. Denke daran, wenn Du das nächste Mal den Briefkasten leerst, die E-Mails checkst, das Handy zückst oder deinem liebsten Menschen ein paar nette Worte schreibst...

 

Cindy Weishaupt und Andreas Tobler

 

 

 

 

 

 

Textfeld: Wir laden Studierende ein, Mitglied des Vereins IMPULS AFGHANISTAN zu werden. Unser Verein ist auch der Versuch, das neue Leitbild der HSG mit konkreten Inhalten zu füllen. Zusammen wollen wir unseren Horizont über die Grenzen unserer Universität erweitern und nach neuen Mitteln und Wegen suchen, um scheinbaren Zwängen zu begegnen.
Informationen zu unseren Projekten erhältst Du unter:
www.Afghancash.com oder direkt bei Christian.Gerig@afghancash.com